Mein Weg zum ersten eigenen Bildband

Tagtäglich beschäftige ich mich mit Fotobüchern: ich blättere sie durch, rezensiere sie für meinen Fotobuch-Blog oder bereite mit ihnen eine Episode für den Podcast vor.
Fotografien wirken gedruckt einfach anders und natürlich entsteht dann auch der Wunsch, einmal ein eigenes Buchprojekt umzusetzen. Unterschiedlichste Ideen finden sich reichlich auf meinem Notizzettel. 
Für mich stellte sich zunächst jedoch die Frage, wie die Entstehung eines Buches konkret funktioniert, von der Fotografie inkl. Auswahl, dem Layout bis hin zur Kommunikation mit der Druckerei. 

In der Fotobuch-Ecke stellte ich dazu bereits folgende, hilfreiche Bücher vor:

Aber mir war klar, dass auch die besten Bücher auf dem Schreibtisch nicht die praktische Umsetzung ersetzen können.  Also mußte ein kleines Projekt her, bei dem ich Schritt für Schritt, die einzelnen Hürden nehmen kann. 
Eine solche Aufgabe war flott gefunden:

Die Idee

Seit rund 40 Jahren besuche ich die Nordsee-Insel Borkum. In dieser Zeit hat sich die Insel an vielen Ecken massiv verändert, während anderswo die Zeit geradezu stehen blieb. Meinen aktuellen Eindruck der Insel wollte ich festhalten, auch um die Veränderungen in der Zukunft damit zu vergleichen. Eine Idee für meinen „Probe-Bildband“ war geboren.

Da ich die Schwarz-Weiß-Fotografie sehr schätze und dabei die großen Fotografen wie Ansel Adams mit ihren tiefen Schwarztönen mag, wählte ich diese Art der Fotografie aus. Ein aktuelles Smartphone und eine neu entdeckte App zur Schwarzweiß-Fotografie passten dazu geradezu hervorragend. Mit diesem, wirklich leichten Gepäck startete ich im Sommerurlaub damit, die entsprechenden Motive abzubilden. 

Kill Your Darlings – oder welche Bilder kommen ins Buch:

Zurück aus dem Urlaub ging es an die Bildauswahl. Einige technische Patzer und doppelte Bilder wurden direkt aussortiert. Die anderen Fotografien mit wenigen Schritten nachbearbeitet.  Beim Drogeriemarkt um die Ecke wurden die Bilder zur besseren Auswahl dann einmal in kleinem Format ausgedruckt
(Lerneffekt: Vorort ausdrucken ist deutlich teurer als online bestellen und je nach Anzahl der Fotos kann das ordentlich ins Geld gehen 😉 ). 

Zurück am Esstisch wurden die Fotografien ausgebreitet und in einer möglichen Reihenfolge ausgelegt. Dabei verschwanden bereits die ersten, in Gedanken festeingeplanten Fotos und die Lieblingsbilder wurden irgendwie versucht in das Konzept mit hinein zu argumentieren. Zusammen mit meiner Frau wurde die Auswahl und Reihenfolge noch mehrmals verändert. Und auch ein paar Lieblinge wurden so zum Teil aussortiert, getreu dem Motto „Kill your Darlings“. Das war zwar schmerzhaft, aber für das Projekt wahrscheinlich notwenig. 

Die nächste Hürde: das Layout!

Als Hobbyfotograf ist mir ein Abomodell für die Marktführer Software „Adobe InDesign“ etwas zu teuer, erst recht für dieses nicht kommerzielle „Probe“-Projekt. So bin ich nach ein wenig Internet-Recherche auf eine Alternative names „Affinity Publisher“ gestoßen. Bereits beim ersten Eindruck erschlug mich die Funktionsvielfalt. Nach ein paar Videotutorials wagte ich mich daran, meinen eigenen Bildband zu layouten. Dabei standen direkt am Anfang Überlegungen an, wie groß das Buch denn überhaupt werden solle. Dafür verglich ich andere Bücher und bastelte mir aus Papier ein paar Modelle, um die Größe abzuschätzen. Zurück bei Affinity Publisher baute ich dann Modellseiten, die dieses Format und den von der Druckerei geforderten Rand aufwiesen. Danach entwickelte ich für mich eine Darstellungsweise, die besonders die Bilder großformatig hervorhob. Eine kurze Bildbeschriftung findet man dann auf der jeweiligen Gegenseite. Ein Vorwort und ein Impressum rundeten das Projekt ab. 

Allerdings ist das beste Buch nichts ohne einen Einband. Also direkt nochmal ran an die Layout Software. Dabei fand ich es schwer, die Dicke des Buches zu kalkulieren. Die Druckerei buch.one half mir freundlicherweise dabei. Und auch hier mußte ich nach Rücksprache mit dem Druckanbieter meine erste Entwürfe verwerfen, da die Gefahr bestand, dass diese am Monitor zwar gut aussahen, im Druck möglicherweise jedoch nicht mit den Erwartungen mithalten würden. 

Nach viel Fummelei und Hilfe durch die Druckerei war dann schließlich die Druckdatei fertig (bei der Gelegenheit: falls mir jemand erklären kann, warum ich trotz mehrfacher Einstellungsänderungen es nicht hinbekommen habe, unter Affinity-Publisher die PDF-Datei im richtigen Grauprofil zu speichern, gerne in die Kommentare damit).

Und dann ist die Datei bei der Druckerei und man kann nur noch abwarten. 

Der Kontakt zur Druckerei buch.one gestaltete sich äußerst freundlich. Leider gab es wohl Probleme mit der digitalen Druckmaschine, so dass ich einen neuen Begriff kennen lernen durfte: Pencil Streaks. Dieser Fehler, der wie dünne Bleistift-Striche aussieht, tritt wohl im Digitaldruck häufiger auf und so leider auch bei meinem kleinen Buchprojekt. So verzögerte sich auf die Art und Weise mein Buchprojekt noch etwas. 

Rund drei Wochen nach Versand der Druckdaten erhielt ich dann die erlösende Nachricht, dass sich die Bücher auf dem Weg zu mir befänden. Wenn dann das Paket zu Hause eintrifft, ist man schon ganz schön gespannt. Auch in dieser kleinen Auflage ist es schon etwas besonderes, seinen eigenen Bildband schliesslich in den Händen zu halten. 

Ich möchte aber nicht verhehlen, dass sich beim ersten Buch zunächst Enttäuschung breit machte, da die „Pencil Streaks“ direkt bei diesem Exemplar weiterhin deutlich zu sehen waren und quer über ganze Seiten verliefen. Aber auch hier erwies sich die Kommunikation mit der Druckerei als äußerst angenehm. So wurde das Paket noch einmal retourniert und an die Druckerei zurückgesandt. Diese prüfte dann noch mal erneut alle Bücher auf mögliche Mängel und druckte die entsprechende Anzahl an fehlerhaften Exemplaren nach. Dadurch verzögert sich natürlich die Auslieferung vom geplanten Liefertermin erheblich, aber am Ende erhielt ich fehlerfreie Bücher in der von mir erwarteten Qualität, und immer noch deutlich rechtzeitig für meinen geplanten Zweck. 

Bei der Planung eines Bildbandes ergeben sich immer wieder viele Frage, zum Beispiel Papierart, Dicke und Umschlag. Insgesamt bin ich mir meiner Auswahl (ProfiBulk 13 – 150g/m2 ) mehr als zufrieden. Die Fotos wirken darauf sehr hochwertig. Das Umblättern macht mir große Freude. Das Lesen der kurzen Texte am Anfang oder bei den Bildbeschriftungen ist gut zu erkennen. Der Umschlag hat eine Stärke von 2mm und wirkt durch die Schutz Cellophanierung sehr angenehm und hochwertig.
Auch dies sind Erkenntnise, die man gut für zukünftige Projekte verwenden kann.

Fazit:

Und jetzt? Ich habe in diesem Projekt viel gelernt: Bildauswahl – Layout – Druckprozess
All das, was man für weitere Buchprojekte braucht, konnte ich mit diesem kleinen, relativ persönlichem Bildband Schritt für Schritt lernen, welches nun bei dem ein oder anderen Familienmitglied unterm Weihnachtsbaum zu finden war. 

Falls jemand auch Interesse an diesem Buch haben sollte, dem sei verraten, dass ich ein paar Rest-Exemplare zum Selbstkostenpreis (29 € + Versandkosten) zum Verkauf anbiete.  Schreib mir einfach eine E-Mail und ich schick euch das Buch, solange der Vorrat reicht, zu. 

Und wer noch neugieriger ist: mehrere weitere Buchprojekte sind bereits in Planung. Bleibt also gespannt!

Bilder aus dem Projekt:

Strand - 26757 - Bildband Borkum
Inselbahn - 26757 - Bildband Borkum
Wasserturm - 26757 - Bildband Borkum